So viele Menschen wie möglich zu begeistern: Das ist das Motto des Schönbrunner Tiergartendirektors Stephan Hering-Hagenbeck. Und diesen Aspekt sieht er auch als Parallele zum Theater, das sich, so meint er, ebenso nach dem Zeitgeist richten muss, um die Menschen anzusprechen. Silvana Steinbacher hat mit Stephan Hering-Hagenbeck gesprochen.
Herr Direktor Hering-Hagenbeck, das Linzer Landestheater hat sich für die laufende Saison das Motto „Natur und Kunst“ gewählt. Ein Theater und zoologischer Garten weisen auf den ersten Blick wenig Ähnlichkeiten auf. Gibt es Ihrer Meinung nach Parallelen zwischen den beiden Institutionen?
Ja, wir haben sicher dahingehend etwas gemeinsam, als wir beide inszenieren. Wir im Zoo müssen dabei sowohl den Tieren als auch den Besucher:innen gerecht werden, und letzten Endes versuchen wir eine breitere Bevölkerungsgruppe für etwas zu begeistern. Und noch etwas: Theater und Tierpark möchten ihr Publikum begeistern, das verbindet sie. Das Theater will zudem auch gesellschaftliche Themen transportieren und präsentieren. Unsere Kernthemen sind dagegen aber Artenschutz und Biodiversität.
Schönbrunn ist der älteste noch bestehende Zoo der Welt und ein sehr beliebter Tiergarten. Ist unter diesen Voraussetzungen also in stärkerem Maße auf Inszenierung zu setzen?
Ich spreche in diesem Zusammenhang für die wissenschaftlich geleiteten Tiergärten mit einem gewissen Qualitätsstandard, denn leider ist der Begriff Zoo nicht geschützt. Wir sind in einem zunehmenden Wettkampf und müssen uns Mitbewerbern gegenüber behaupten, wobei ich als Mitbewerber nicht andere Zoos meine, sondern andere Freizeitangebote. Auch das verbindet uns mit dem Theater, wir sind eine Institution, die zeitgemäß und wirtschaftlich arbeiten muss. Beim Theater spricht heute wahrscheinlich das Brechttheater nicht mehr so an. Wir müssen uns dem Zeitgeist anpassen und das bieten, was von den Besucher:innen gewünscht wird, denn nur dann können unsere Tiere als Botschafter fungieren und für den Artenschutz begeistern.